Dissoziation

Es gibt unterschiedliche dissoziative Phänomene, die als Störung mit unterschiedlicher Intensität verlaufen. Im ICD-10 aufgeführt sind (u.a.):

  • dissoziative Amnesie (F44.0): Der betreffenden Person fehlen wichtige Erinnerungen zur eigenen Geschichte, weit über das Maß der normalen Vergesslichkeit hinaus.
  • dissoziative Fugue (F44.1): Hierunter wird das unerwartete Weggehen von der gewohnten Umgebung (Zuhause, Arbeitsplatz) verstanden, das bis zur Annahme einer neuen Identität bei gleichzeitiger Desorientiertheit zur eigenen Person führen kann.
  • Dissoziative (psychogene) Bewegungsstörungen (F44.4): Sie machen 2,6 bis 25 % der Bewegungsstörungen in neurologischen Abteilungen aus. Davon wiederum fallen 32,8 % auf den psychogenen Tremor, 25 % auf die psychogene Dystonie, 25 % auf den psychogenen Myoklonus, 6,1 % auf den psychogenen Parkinsonismus und 10,9 % auf die psychogene Gangstörung.
  • Dissoziative Krampfanfälle (F44.5): dazu gehört der klassische Arc de cercle. Sigmund Freud hat eine Reihe von Fällen unter dem Begriff Hysterie beschrieben.
  • Ganser-Syndrom (F44.80) bzw. die Pseudodebilität
  • dissoziative Identitätsstörung (landläufig: Multiple Persönlichkeit) (F44.81): Nach dem DSM-IV (dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen) müssen zwei oder mehr getrennte, völlig unterschiedliche Identitäten oder Persönlichkeitszustände vorhanden sein und im Wechsel das Verhalten des Betroffenen bestimmen. Diese Störung gehört nicht zu der Gruppe der Schizophrenie, auch wenn dies im landläufigen Begriff Spaltungs-Irresein nicht ganz deutlich wird.

Weitere dissoziative Phänomene ohne ausdrückliche Nennung im ICD-10 (bis auf F48.1 in ICD 10):

  • Depersonalisation: Hierbei handelt es sich um eine Veränderung der Selbstwahrnehmung, die Person fühlt sich fremd im eigenen Körper – sie beobachtet sich von außen. Dabei reagieren die Personen völlig angemessen auf ihre Umwelt. Allerdings können Sinneswahrnehmungen oder auch Körpergefühle wie Hunger und Durst gestört sein.
  • Derealisation: Dabei wird durch ein Gefühl der Unwirklichkeit die Umwelt als fremd oder verändert wahrgenommen. Sowohl Depersonalisation als auch Derealisation sind selten isoliert. Meist treten sie als ein Symptom anderer Störungen auf, z. B. im Zusammenhang von Panickattacken
  • Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Tunnelblick
  • das Gefühl, als wäre der eigene Körper „ausgeweitet“ (expandiert), so dass er sich breiter anfühlt als sonst
  • das Gefühl, als wäre der Körper „eingegangen“, also winzig proportioniert
  • stationäre Gegenstände scheinen sich zu bewegen
  • Zeitverlust (die Empfindung, nur unvollständige Erinnerung an kurz zurückliegende Ereignisse zu haben)